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Das Latinum: was es ist und wie man es bekommt

Kurz gesagt

Das Latinum bescheinigt, dass man lateinische Originaltexte auf dem Niveau anspruchsvollerer Stellen versteht und übersetzt – typischerweise Cicero. Man erwirbt es in der Schule mit mindestens „ausreichend“ nach mehrjährigem Lateinunterricht oder in einer Ergänzungsprüfung: rund 180 Wörter Übersetzung in 180 Minuten und ein mündlicher Teil. Grundlage ist eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz von 2005; die Einzelheiten regeln die Länder.

Was das Latinum bescheinigt

Nach der Vereinbarung über das Latinum und das Graecum der Kultusministerkonferenz vom 22. September 2005 zeigt das Latinum, dass man lateinische Originaltexte „im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich anspruchsvollerer Stellen“ in Inhalt, Aufbau und Aussage erfassen kann – aus politischer Rede, Philosophie und Geschichtsschreibung. Nachgewiesen wird das durch eine sachlich richtige Übersetzung, teils zusätzlich durch eine Interpretation.

Vorausgesetzt werden sichere Formenlehre und Syntax, ein ausreichender Wortschatz und Grundkenntnisse über römische Politik, Geschichte, Philosophie und Literatur. Ob ein Wörterbuch erlaubt ist, entscheiden die Länder; in den Prüfungen, die wir gefunden haben, ist ein zweisprachiges Wörterbuch zugelassen.

Vier Wege zum Latinum

  1. In der Schule: nach aufsteigendem Lateinunterricht mit mindestens „ausreichend“ im maßgeblichen Zeugnis. Den Zeitpunkt legen die Länder fest. In Nordrhein-Westfalen etwa gibt es das Latinum bei Latein ab Klasse 5 am Ende der Klasse 10, in Bayern mit dem Jahreszeugnis der 10. oder 11. Klasse.
  2. Ergänzungsprüfung: für alle, die es in der Schule nicht erworben haben – auch nach dem Abitur oder im Studium.
  3. Prüfung nach dem Abitur nach den Regeln des jeweiligen Landes.
  4. Abiturprüfung für Nichtschüler in Latein mit mindestens 5 Punkten.

So läuft die Ergänzungsprüfung

Den Rahmen gibt die KMK-Vereinbarung vor, die Länder füllen ihn aus:

  • Schriftlich: Übersetzung eines unbekannten Originaltexts von etwa 180 Wörtern in 180 Minuten, meist mit zweisprachigem Wörterbuch.
  • Mündlich: ein Text von etwa 50 Wörtern und ein Prüfungsgespräch, in der Regel 20 Minuten nach 30 Minuten Vorbereitung.
  • Bestanden ist die Prüfung mit mindestens 5 Punkten insgesamt, wenn kein Teil „ungenügend“ ist.

Geprüft wird je nach Land bei der Bezirksregierung (Nordrhein-Westfalen), beim Regierungspräsidium (Baden-Württemberg), an staatlichen Gymnasien (Bayern), bei der Landesschulbehörde (Niedersachsen) oder an einer Hochschule. Die Zulassung ist oft an einen Wohnsitz oder eine Einschreibung im Land gebunden. Termine und Gebühren stehen bei der jeweiligen Prüfungsstelle.

Prüfungstexte stammen meist von Cicero, daneben von Sallust, Seneca oder Livius.

Kleines, normales und Großes Latinum

Die Kultusministerkonferenz kennt nur „das Latinum“. Einige Länder haben zusätzliche Stufen:

  • Das Kleine Latinum liegt darunter, mit leichteren Texten etwa von Caesar und Nepos – zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Bremen.
  • Das Große Latinum ist in manchen Ländern eine eigene, höhere Stufe, in anderen nur ein anderer Name für das Latinum.

Welche Stufe ein Studium verlangt, steht in der jeweiligen Prüfungsordnung.

Vorbereitung: Kurs, Schule oder selbst

Viele Hochschulen bieten Latinumskurse an, oft über zwei Semester: An der Universität Regensburg etwa umfasst der Weg zum Latinum 12 Semesterwochenstunden über Winter- und Sommersemester, und das Merkblatt rechnet mit vier bis fünf Stunden Vor- und Nachbereitung pro Sitzung. Dazu kommen Intensivkurse in den Semesterferien und kostenpflichtige Fernkurse. Die staatliche Prüfung legt man in jedem Fall gesondert ab.

Formal ist auch Selbststudium möglich: Bei der Anmeldung zur Ergänzungsprüfung legt man dar, wie man sich vorbereitet und was man gelesen hat. Realistisch braucht man dafür viel Disziplin – und einen Plan, der zuerst die Grundlagen sichert.

Welche Rolle Disce ludens spielt

Disce ludens ist kein Latinumskurs. Es legt die Grundlagen, ohne die keine Cicero-Übersetzung gelingt: Formenlehre, Satzlehre und Wortschatz, mit gestuften Hilfen statt fertiger Lösung. In Verte ludens geht es an erste Originalsätze von Caesar, Schritt für Schritt vom Erkennen des Hauptsatzes bis zur Übersetzung.

Für die Prüfung selbst braucht es danach die Lektüre längerer Texte, vor allem Cicero, und Übung im Übersetzen mit dem Wörterbuch unter Zeitdruck. Das leistet ein Kurs oder gezielte Lektüre, nicht Disce ludens.

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Eine echte Aufgabe aus Disce ludens:

Verte ludens · Übung 1 · cum-Sätze, Satz 1, Schritt 2

Cum Caesar in Galliam venisset, undique legati Gallorum ad eum convenerunt.

Mit welchem Wort beginnt der Hauptsatz?

© Disce ludens

Was Disce ludens dabei leistet – und was nicht

Das leistet Disce ludens

  • Sichert Formen, Satzlehre und Wortschatz – die Grundlage jeder Latinumsübersetzung.
  • Übt mit Verte ludens Caesar-Sätze Schritt für Schritt.
  • Passt zu jedem Kurs und jedem Lehrbuch, auch zum Wiederauffrischen.

Das leistet es nicht

  • Ist kein vollständiger Latinumskurs und keine Prüfungsvorbereitung mit Cicero-Lektüre.
  • Übt kein Übersetzen mit Wörterbuch unter Prüfungsbedingungen.
  • Ersetzt nicht die Anmeldung und Prüfung bei der zuständigen Stelle.

Häufige Fragen

Was ist das Latinum?

Ein Nachweis von Lateinkenntnissen auf dem Niveau anspruchsvollerer Originaltexte, etwa von Cicero. Grundlage ist die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vom 22. September 2005; die Länder regeln die Einzelheiten.

Wie läuft die Latinumsprüfung ab?

Schriftlich übersetzt man einen unbekannten Originaltext von etwa 180 Wörtern in 180 Minuten, meist mit Wörterbuch. Mündlich folgt ein Text von etwa 50 Wörtern mit Prüfungsgespräch, in der Regel 20 Minuten nach 30 Minuten Vorbereitung.

Wie lange braucht man für das Latinum?

Hochschulkurse dauern meist zwei Semester, mit erheblicher Eigenarbeit; die Universität Regensburg rechnet mit vier bis fünf Stunden Vor- und Nachbereitung pro Sitzung. In der Schule erwirbt man es nach mehreren Jahren Lateinunterricht.

Kann ich das Latinum im Selbststudium machen?

Formal ja: Zur Ergänzungsprüfung meldet man sich mit einer Darlegung der Vorbereitung an. Die Zulassung ist aber oft an einen Wohnsitz oder eine Einschreibung im Land gebunden, und ohne Kurs braucht es viel Disziplin.

Hilft Disce ludens beim Latinum?

Bei den Grundlagen: Formen, Satzlehre, Wortschatz und erste Caesar-Sätze. Die Lektüre von Cicero und das Übersetzen mit Wörterbuch unter Prüfungsbedingungen leistet Disce ludens nicht.