Lateinische Kasus: Fälle und ihre Funktionen
Kurz gesagt
Im Lateinischen zeigt der Kasus, welche Rolle ein Wort im Satz spielt, nicht die Stellung. Es gibt sechs Fälle: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ und den Vokativ für die Anrede. Disce ludens I übt die Fälle in fünf eigenen Stunden, vom Nominativ über Akkusativ und Dativ bis zu Genitiv und Ablativ.
Sechs Fälle und ihre Fragen
Jeder Fall beantwortet eine Frage. Die Fragen helfen beim ersten Zugriff, sind aber keine vollständige Regel: Im Zweifel entscheidet das Verb, was es verlangt.
| Kasus | Frage | Grundfunktion | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | wer oder was? | Subjekt, Prädikatsnomen | Servus cibum portat. | Der Sklave bringt das Futter. |
| Genitiv | wessen? | Attribut (Zugehörigkeit) | filia agricolae | die Tochter des Bauern |
| Dativ | wem? | indirektes Objekt | Pater filiae pilam donat. | Der Vater schenkt der Tochter den Ball. |
| Akkusativ | wen oder was? | Akkusativobjekt, Richtung | Pater pilam portat. | Der Vater bringt den Ball. |
| Ablativ | womit? mit wem? wie? | adverbiale Bestimmung, oft mit Präposition | Cornelia cum Paula saltat. | Cornelia tanzt mit Paula. |
| Vokativ | (Anrede) | Anrede einer Person | serve! | Sklave! |
Nominativ und Akkusativ
Der Nominativ nennt den, der handelt, als Subjekt. Nach esse steht er als Prädikatsnomen: Lucius et Marcus amici boni sunt. (Lucius und Marcus sind gute Freunde.)
Der Akkusativ nennt, worauf sich die Handlung richtet: das Akkusativobjekt (cibum, pilam). Er gibt auch die Richtung an, mit ad oder in (in villam, in das Haus). In einem AcI ist er Subjekt eines Infinitivs. Disce ludens I behandelt den Akkusativ in Stunde 6 und den AcI in Stunde 9.
Dativ und Genitiv
Der Dativ nennt die Person, der etwas zugutekommt oder zugewandt wird: das indirekte Objekt bei dreiwertigen Verben wie donare (schenken). Dazu gehören auch Verben, die einen Dativ verlangen, etwa parere (gehorchen). Disce ludens I führt den Dativ in Stunde 10 ein, dort ausgehend von dreiwertigen Verben; Stunde 13 unterscheidet Akkusativ- und Dativobjekt.
Der Genitiv steht meist als Attribut: filia agricolae (die Tochter des Bauern). Er gehört zu einem Substantiv und sagt, wessen etwas ist. Dazu kommen Verbindungen mit Adjektiven wie cupidus (begierig) und peritus (erfahren), die den Genitiv verlangen. Stunde 14 übt den Genitiv in dieser Hauptfunktion.
Der Ablativ: der Fall ohne deutsche Entsprechung
Der Ablativ übernimmt Funktionen, die im Deutschen auf mehrere Fälle und Präpositionen verteilt sind. Disce ludens I unterscheidet in Stunde 15 drei Grundfunktionen, zu denen ein Ablativ ohne oder mit cum steht:
| Ablativus | Frage | Funktion | Beispiel | mit oder ohne cum |
|---|---|---|---|---|
| instrumentalis | womit? | Mittel, Werkzeug | flagello (mit der Peitsche) | ohne cum |
| sociativus | mit wem? | Begleitung | cum Paula (mit Paula) | mit cum |
| modalis | wie? | Art und Weise | cum labore (mit Mühe) | meist mit cum |
Weitere Ablative stehen mit Präpositionen wie a/ab, de, e/ex für Herkunft und Trennung: a patre (vom Vater), e villa (aus dem Haus).
Präpositionen bestimmen den Fall
Präpositionen verlangen einen bestimmten Kasus. Die Liste zeigt die Beispiele, die in den Stunden vorkommen; sie ist nicht vollständig.
| Präposition | Kasus | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| ad | Akkusativ | ad ianuam | zur Tür, an die Tür |
| in (Richtung) | Akkusativ | in villam | in das Haus |
| in (Ort) | Ablativ | in villa | im Haus |
| per | Akkusativ | per aulam | durch den Saal |
| cum | Ablativ | cum Paula | mit Paula |
| a/ab | Ablativ | a patre | vom Vater |
| e/ex | Ablativ | e villa | aus dem Haus |
| de | Ablativ | de tumulo | vom Hügel herab |
Den Fall im Satz erkennen
Viele Endungen sind mehrdeutig: -is, -ae, -us und -um kommen in mehreren Fällen vor. Deshalb bestimmt man den Fall nie allein an der Form. Man prüft, welches Verb im Satz steht, welches Wort mit der Form übereinstimmen muss (Kongruenz) und welche Präposition davorsteht. Die Tabellen aller Deklinationen mit den typischen Verwechslungen stehen auf der Seite Lateinische Deklinationen.
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Eine echte Aufgabe aus Disce ludens:
Disce ludens I · Stunde 10 · Dativ, Karte 9
Wie heißt zu arbori (Baum) die entsprechende Form im Plural?
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© Disce ludensWas Disce ludens dabei leistet – und was nicht
Das leistet Disce ludens
- Übt die Fälle in fünf eigenen Stunden: Nominativ (Stunde 5), Akkusativ (6), Dativ (10), Genitiv (14) und Ablativ (15).
- Verbindet jeden Fall mit einer Frage im Satz: wer, wen, wem, wessen, womit.
- Gibt gestufte Hilfen, wenn ein Fall nicht sicher ist, und verrät die Lösung erst auf Wunsch.
Das leistet es nicht
- Ersetzt keine vollständige Kasuslehre mit allen Ausnahmen.
- Hat keine eigene Stunde zum Vokativ.
- Zeigt keine Längenzeichen.
Häufige Fragen
Wie viele Kasus hat Latein?
Sechs: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ und Vokativ. Der Vokativ dient der Anrede und gleicht meist dem Nominativ.
Was ist der Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ?
Der Akkusativ nennt, worauf sich die Handlung unmittelbar richtet (wen oder was), der Dativ die Person, der etwas gilt oder gegeben wird (wem). Disce ludens I übt beides in Stunde 10 und 13.
Warum gibt es einen Ablativ, den es im Deutschen nicht gibt?
Der Ablativ übernimmt Funktionen, die im Deutschen auf Präpositionen und andere Fälle verteilt sind: Mittel, Begleitung, Art und Weise, Herkunft. Disce ludens I, Stunde 15, übt die Grundfunktionen.
Welche Präpositionen verlangen den Ablativ?
Unter anderem a/ab, de, e/ex und cum; in steht mit dem Ablativ für den Ort, mit dem Akkusativ für die Richtung. Die Tabelle oben zeigt Beispiele.